Wir haben es in unseren Präventions-Workshops mit Schülern schon lange gemerkt. Die VZ-Netzwerke siechen ihrem Ende entgegen. Fanden wir in den Jahren 2009 und 2010 Schüler noch insbesondere in schuelerVZ aktiv und vertreten, verlor das Schüler-Netz in 2011 an Bedeutung. Schüler pflegen ihre Profile nicht mehr, teilen der Schüler-Welt nicht mehr mit, dass sie versetzt wurden und loggen sich nur noch sporadisch ein. Das Schüler-Netzwerk hat in der Internet-Prävention deutlich an Bedeutung verloren. Natürlich zugunsten von Facebook. Denn, wenn es einen Ort gibt, wo alle sind, warum sollten Schüler dann noch in einem eigenen sozialen Netzwerk unterwegs sein? Und mit “alle” sind tatsächlich alle gemeint. Mitschüler, Stars und Sternchen, angesagte Labels, die Akteure der Jugendkultur. Das kleine weiße “f” auf blauem Grund hat Einzug gehalten in Werbung und Öffentlichkeit. Kaum etwas, das darum wirbt, erworben zu werden oder Interesse wecken soll, das nicht mit dem kleinen Facebook-Logo verziert ist.
SchuelerVZ hat eine hohe Hürde, denn wer hinein will, muss eingeladen werden. Das ist immer noch so. Es sollte Erwachsene davon abhalten, sich im Schüler-Netz aufzuhalten. Funktioniert hat das nicht. So tummeln sich in schuelerVZ der Schulsozialarbeiter genauso wie Lehrer, Eltern, Ausbildungsbetriebe und andere Erwachsene, die dort eigentlich nichts zu suchen hätten. Die nationale Begrenzung dürfte das nahende Ende der VZ-Netzwerke beschleunigt haben. Wie unsinnig ist es auch, sich in einem globalisierten Internet mit einer deutschen Community zu vernetzen, wenn die eigene Familie und Verwandtschaft sich immer mehr und öfter über den Globus verstreut.
Ein weiterer Aspekt ist, dass Kinder heute früher in das soziale Netz einsteigen. Ab der 4. Klasse etwa sind Grundschüler in Facebook vernetzt, schuelerVZ wird als Umweg direkt ausgelassen. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren, in denen sich Schülerinnen und Schüler ab etwa der Klasse 5 / Klasse 6 in den sozialen Netzwerken etablierten. Seit Mitte 2011 tragen wir diesem Trend in der Präventionsarbeit Rechnung dadurch, dass wir Präventionsworkshops für vierte Klassen an Grundschulen anbieten.
Was für schuelerVZ gilt, gilt für studiVZ, den einstigen Internet-Aufsteiger umso mehr. Auf wannstirbtstudiVZ.com tickt eine Uhr dem Ende entgegen. In gut zehn Wochen soll es soweit sein, dass die Nutzerzahlen des Studenten-Netzwerks soweit abgeflaut sind, dass das Netzwerk in den Internethimmel aufsteigen kann. Von den einst über 450 Millionen Seitenbesuchen im Mai 2010 blieben bis heute etwa 16 Millionen Mitglieder, von denen 9,8 Millionen als aktive Nutzer gelten und die noch etwa 80 Millionen Seitenbesuche produzieren. Zu wenig zum Überleben und letztlich zu unbedeutend, als dass den VZ-Netzwerken in unserer Präventionsarbeit noch übergroßer Raum eingeräumt werden muss.
Weiterführender Link:
Frankfurter Rundschau: studiVZ vor dem Ende
Bildquelle:
wannstirbtstudivz.com



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