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AWO Projekt Jugendmedienschutz

Echte Freunde

Ich hatte kürzlich eine Debatte mit einer Kollegin zur Frage der sozialen Netzwerke. Es ging um die Bewertung von Freundschaft. Zu Freunden werden Menschen in virtuellen Welten wie sozialen Netzwerken oft lediglich durch zwei Klicks. Um seiner Liste an Freunden in Facebook, studiVZ, schuelerVZ und anderen Netzwerken einen neuen  Freund hinzuzufügen, ist es weder erforderlich, den neu erworbenen Freund zu kennen, noch jemals ein einziges echtes oder virtuelles Wort mit ihm oder ihr gewechselt zu haben. Auf den Freundschaftslisten, insbesondere junger Nutzer sammeln sich so leicht mehrere hundert Kontakte. Im Durchschnitt aller Nutzer auf Facebook relativiert sich die Zahl dann auf im Schnitt 120 Freunde, beim deutschen studiVZ sind es sogar nur 26.

Tatsächlich verfolgen Männer aber durchschnittlich nur sieben Freunde, wann und wie sich ihr Profil ändert. Frauen sind etwas neugieriger und behalten zehn Freunde im Blick. Einen engeren Kontakt haben Männer mit vier Freunden, Frauen mit sechs. Wenn man diese Zahlen betrachtet, relativieren sich die langen Freundeslisten. Vielfach werden Bekannte aus der realen Welt zu virtuellen Freunden nur deswegen, um niemanden zurück zu weisen oder Diskussionen zu vermeiden.

Unter den jüngeren Nutzern hingegen sind Kontakte in Messengern und sozialen Netzwerken eine tauschbare Ware. Kontakte werden häufig getauscht wie früher Sammelkarten und noch früher Murmeln. Auch unter den jüngeren Nutzern sind die tatsächlich verfolgten Kontakte die echten Freunde aus der realen Welt.

Der Begriff “Freunde” ist durch die inflationäre Verwendung in sozialen  Netzwerken sprachlich mittlerweile verwässert. Denn natürlich, und das zeigen auch die Untersuchungen zum Thema, hat der virtuelle Freundschaftsbegriff nicht viel mit echten Freunden gemein. In einem Artikel las ich kürzlich, der Freundesbegriff habe sich sprachlich so verändert, dass wir für die echten Freunde der realen Welt eigentlich einen neuen Begriff bräuchten, um Freunde und Freunde besser differenzieren zu können.

Im übrigen haben die vielzähligen sozialen Netzwerke nicht zu einem Anstieg der Kommunikation, des Austauschs und der echten Freunde geführt. Das was ansteigt, ist die Dauer der Präsenz in den sozialen Netzwerken, also die Zeit, die Nutzer eingeloggt sind. Wobei auch diese Tatsache nicht weiter beunruhigend ist. Eingeloggt sind User oft nur nebenher, während sie sich parallel mit anderen Dingen beschäftigen.

Bildquelle: smaily / pixelio.de

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